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Anmerkung zur Umsetzungsabsicht

Phaedra oder die Tragödie einer lächerlichen Familie beschreibt einen Familienhaushalt und zeigt wie das öffentliche Leben in ihn (z. B. durch das Fernsehen) gewaltsam eindringt. Diese kontrastreiche Verstrickung einzelner, von einem ungestillten Liebesdurst getriebener Individuen mit der Macht der Geschichte, der unaufhaltsamen Entwicklung der Gesellschaft bildet einen Schwerpunkt des Drehbuches. Die Hilflosigkeit der Protagonisten gegenüber jener tragischen Ausweglosigkeit begründet in ihrer Absurdität unsere Darstellungsweise, die nur noch erlaubt zu lachen. Diese Bearbeitung eines alten Mythos ist keine psychologische Darstellung der Entwicklungstufen einer Familienkrise, sondern vielmehr die einzelner, abgesonderter, durch einseitige Zuneigung zerrissener Menschen. Die Figuren sind sowohl von dem großen Zeitgeschehen, als auch von ihrer persönlichen Geschichte überwältigt. Der Zuschauer sieht ihrem sinnentleerten Schicksal mit einer relativen Distanz zu. Das Komische bildet den Kontrast zum Tragischen. Der Handlungsstrang verläuft auf der Schwelle zwischen diesen beiden Polen.
Diese inhaltlichen Diskrepanzen soll der ästhetische Aufbau des Films widergespiegeln. "Realistische" Szenen (z. B.: Phaedra führt den Haushalt) stehen theatralisierten Szenen (z. B.: Phaedra versucht, Hippolytus zu verführen) gegenüber. Dieser Zwiespalt soll sich durch die Kunst der Schauspieler, das Bild, den Ton und den Schnitt ausdrücken und so dem Film einen besonderen Rhythmus verleihen.
Mit einem Wort, die besondere Herausforderung dieses Projekts besteht in der Vereinigung von Anachronismus und Aktualisierung, Lustigem und Traurigem, Äußerung und Verdrängung, Zerstreuung und Überlegung.

Robert Cibis, 1994

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