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Abseits des Rampenlichts

Panel 4.7: Nirgendwo in Afrika oder Vergiss Amerika – Der deutsche Film im Ausland: Kultur- oder Wirtschaftsgut?

Im Ausland steht der deutsche Film keinesfalls im Rampenlicht. Die deutschen Produktionen bedienen größtenteils nur den heimischen Markt. Ausnahmen sind „Bella Marta“, „Mädchen, Mädchen“ oder „Das Experiment“. Bei der Veranstaltung „Nirgendwo in Afrika oder Vergiss Amerika – Der deutsche Film im Ausland: Kultur- oder Wirtschaftsgut?“ auf den MEDIENTAGEN MÜNCHEN diskutierten Filmexperten deutsche Erfolgsfilmgeschichten, mögliche Lösungen sowie die Hintergründe des Dilemmas.

Der erfolgreiche deutsche Film sei eine Mischung aus Kultur- und Wirtschaftsgut, sagte Christa Saredi vom Weltvertrieb Zürich: Dazu gehörten ein gutes Marketing, das richtige Gespür für Trends und nicht zuletzt schauspielerisches Talent.

Bei den internationalen Festivals von Venedig bis Montreal sei der deutsche Film durchaus befriedigend vertreten, resümierte Tom Blieninger, Redaktionsleiter Blickpunkt: Film. Jenseits der Festivals hingegen sei die internationale Aufmerksamkeit eher deprimierend. In Zahlen: 2001 konnten deutsche Produktionen nur rund ein Drittel des eigenen Kinomarkts für sich behaupten; den größten Anteil mit über 60 Prozent hatten die USA. In Amerika wiederum fanden nur 9,7 Mio. Bürger einen deutschen Film besuchenswert; das entspricht einem Marktanteil von 0,65 Prozent. Im europäischen Ausland stand der deutsche Film leicht besser da: rund vier Prozent Marktanteil in Österreich und knapp sechs Prozent in der Schweiz dank „Der Schuh des Manitu“. In Frankreich und Großbritannien sanken die Anteile am Kinomarkt auf unter ein Prozent.

Michael Weber vom Weltvertrieb der Bavaria Film gelang es, mit „Bella Marta“ einen internationalen Erfolg zu landen. Allerdings kamen die Besucher in Europa erst, nachdem der Streifen in den USA erfolgreich angelaufen war.

In Ungarn wurde „Mädchen, Mädchen“ zum Kassenschlager. 245.000 Zuschauer sahen den Film und platzierten ihn damit auf der Hitliste noch vor „Minority Report“. Best-Hollywood-Verleiher Oliver Shiflish aus Budapest sagte den Deutschen, was seiner Meinung nach zu tun sei: Es müsse international Überzeugungsarbeit für den deutschen Film geleistet werden. Er verwies auf Frankreich, das für seine Produktionen eine beispielhafte Promotion in anderen Ländern mache. Der deutsche Film könne genauso erfolgreich wie ausländische Streifen sein, würde man ihn entsprechend promoten. Um Geld für das Marketing zu bekommen, könne man sich Kooperationspartner in der Industrie suchen. Man müsse die Verleiher davon überzeugen, dass es sich lohne, in den deutschen Film zu investieren, dass sich eine Anschubfinanzierung später in höheren Besucherzahlen niederschlage.

Eine gute Vermarktung im Ausland gelinge nur, wenn der Dialog zwischen Produzent, Weltvertrieb und Verleiher funktioniere, sagte Norbert Preuss, Produzent von „Das Experiment“. So könne bereits im Vorfeld ausgelotet werden, welches Interesse an einem Film bestehe; es könnten Vorabverträge mit ersten Anzahlungen abgeschlossen werden. „Wenn jemand schon vor dem Erscheinen des Films 500.000 investiert, dann steckt er auch Geld in das Marketing beim Rausbringen.“

Einen Marketing-Businessplan forderte auch der britische Journalist Simon Kingsley. Deutschland biete „kleine, aber feine“ Filme, aber keine nennenswerten Stars. Der Wettbewerb mit Hollywood könne nicht gelingen, weil deutsche Produzenten beim Drehen nicht daran denken würden, im Ausland zu verkaufen. Manche Drehbücher seien auch zu wenig ausgereift. Er kritisierte zudem das opulente Subventionssystem in Deutschland. Dieses schade dem Markt. Besser wäre es, nicht eine Masse an Filmen, sondern Klasse zu produzieren – und mehr Geld für einen florierenden Weltvertrieb bereitzustellen.


Veranstalter des Kongresses der MEDIENTAGE MÜNCHEN sind die DVB Multimedia Bayern GmbH und gotoBavaria, die Agentur des Freistaates Bayern für Medien, Informations- und Kommunikationstechnik. Die MEDIENTAGE MÜNCHEN werden unterstützt von der Bayerischen Staatskanzlei und der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM).

Weitere und aktuelle Infos erhalten Sie unter www.medientage-muenchen.de | Pressemitteilung 18. 10. 02