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Film über "Oma Märtens" zog die Poeler an
Film erinnert Insulaner an trauriges Kapitel

Von Beluga Post

Kirchdorf. Die Leitung der Dokfilmwerkstatt war freudig überrascht, als sich eine große Zahl von Poeler Bürgern in der Gaststätte "Zur Insel" einfand, um den Film über die Bauersfrau Erika Maertens zu sehen. "Oma Märtens", so der Titel des leider nur fünfzehn Minuten langen Werkes der jungen Regisseurin Lilian Franck, stellte den anwesenden Insulanern und Filmfreunden die alte Dame nach ihrer Rückkehr nach Poel vor. 1931 kam Erika Maertens auf die Insel, heiratete später in den Neuhof ein und schenkte sechs Kindern das Leben - was bei den Poelern für amüsierte Verwirrung sorgte, denn diese erinnerten sich nur an fünf Nachkömmlinge. 1945 - der Krieg war vorbei und die Macht war von den Nazis auf die Sowjetische Militäradministration übergegangen. Alle Güter, die größer waren als 100 Hektar wurden enteignet und die Eigentümer von der Heimatscholle vertrieben. So auch die Familie Maertens. Im Westen baute sich die Poeler Bauernfamilie ein neue Existenz auf, blieb aber "mit dem Herzen immer auf dem Neuhof", sagt Erika Maertens. Und sie glaubten fest daran, eines Tages zurückkommen zu können. 1961 zerstörte die Berliner Mauer aber alle Hoffnungen auf eine Rückkehr. Selbst in der benachbarten Bundesrepublik fanden die Neuhöfer keinen Frieden, denn die Sehnsucht nach dem "so nahen, aber unerreichbaren" Poel war zu groß. Die Eheleute Maertens wanderten mit den beiden jüngsten Kindern nach Brasilien aus.
Vor ein paar Jahren starb ihr Ehemann, die Kinder hatten ihr eigenes Leben aufgebaut, Deutschland war wieder ein Land und Teile des alten Neuhofes waren wieder im Familienbesitz. Zeit für die Rückkehr in die Heimat, meinte Erika Maertens und kehrte nach über 50 Jahren auf den Neuhof zurück.
In der anschließenden Gesprächsrunde zwischen der Regisseurin Lilian Franck, dem Schnittmeister Thomas Schlottmann und den Zuschauern erwies sich die Nachkriegszeit und die Machtübernahme durch die sowjetischen Besatzungstruppen als besonders schmerzliches Kapitel der Poeler Geschichte. Mancher Insulaner beklagte sich über die Regelungen der "Befreier" und bedauerte die Folgen für die Betroffenen. Es gab auch Stimmen, dass die Poeler Scham darüber empfunden hätten, nichts gegen die Vertreibung machen zu können. Lilian Franck beschrieb "Omi Maertens" als einen Film, "der zeigt, wie oft und wie radikal sich ein Leben von einem auf den anderen Tage vollkommen ändern kann". Und wenn es nach vielen Irrungen und Wirrungen
wieder zuhause endet, kann es fast ein Happy End haben.

Ostsee-Zeitung 10/2001 + Poeler Inselblatt 11/2001


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