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Sven Väth
oder der Godfather Of Techno

Dieser Name wurde dem am 26.10.1964 geborenen Frankfurter mehr als zu recht verliehen. Wer einmal eine SVEN VÄTH SHOW miterleben durfte wird von der einzigartigen Stimmung berichten können die den zumeist ausverkauften Raum flutet, sobald er ihn betritt man sagt "Er ist der einzige DJ der Welt, der die Fähigkeit besitzt, sich und seine Posse auf dem Dancefloor mit diesem "Einer für alle, alle für einen"-Gefühl zu verbinden." Bei seinen Turen folgen ihm die Technobesessenen wie Zugvögel. Das Zitat, hart aber gerecht bringt seinen Stil auf den Punkt. Seine Geschichte zu erzählen, heißt die Geschichte der Dance-Musik und ihrer Entwicklung seit Mitte der 80er Jahre zu erzählen. Am Anfang war er vor allem den Frankfurter Clubbesuchern ans Herz gewachsen, doch bald schon hatte er Anhänger auf der ganzen Welt.

In den frühen 80ern war der junge Väth in den beiden Frankfurter In-Clubs, dem "Vogue" und dem "Dorian Gray", durch die "alte Schule" des DJ-Handwerks gegangen. Innerhalb dieser - verglichen mit der Gegenwart - reaktionär anmutenden Periode des Nachtlebens drückte sich sein subversives Potential bereits in seinem offen zur Schau getragenen Narzißmus und seinem Verkleidungswahn aus, der ihm in der Frankfurter Szene den Status eines bizarren Paradiesvogels verlieh. Als DJ begann er ab Mitte der 80er immer mehr dem Disco-Mainstream zu entfliehen und seinen eigenen Stil zu entwickeln, der damals noch zum Teil von seiner Verwurzelung mit der "New Romantic"-Bewegung und dem Wave beeinflußt war, sich aber mehr und mehr bei der Importware des anglo-amerikanischen Dance-Undergrounds und früher amerikanischer House-Musik zu bedienen begann. Ob es '87 die Electronic Body Music (EBM) war, die nach Deutschland schwappte oder '88 die Acid House-Welle, Sven Väth war stets einer der ersten deutschen DJs, die neue Strömungen aufgriffen und diese stilbildend auf der Tanzfläche umsetzten. Als Plattform diente ihm dafür ab Anfang Oktober '88 das alte "Vogue", dessen Wiedereröffnung er mit seinen Partnern Münzing und Martinsohn unter dem verheißungsvollen Namen "Omen" inszeniert hatte. Damit begann eines der bedeutendsten Kapitel deutscher Clubgeschichte.

Bei der endgültigen Abschlussparty, in seinem Wohnzimmer (wie er das Omen so treffend bezeichnet) war ihm die Trauer ins Gesicht geschrieben. Trotzdem hat er es sich nicht nehmen lassen achtzehn Stunden am Stück hinter den turntables zu stehen. Seine einzigartige Idee auch außerhalb des Clubs Boxen aufzustellen, damit die unzähligen Trauergäste denen es verwehrt war in dem maßlos überfüllten Laden mitzufeiern trotzdem die Chance hatten gebührend Abschied zu nehmen. Die cops gestatteten dies wiedererwartend bis elf Uhr abends. Als Leckerchen gibt´s Ende des Jahres ein Omenbuch mit Bildern und Storys all der Jahre. Doch das Ende des Omen ist für Sven keinesfalls das Ende seines Schaffens. Er selbst dazu: "Ich bin noch nicht müde". Nach der Schließung des Omens, ist auch schon eine neue Väth'sche Homebase in Sicht: zukünftig wird er, mit der "Cocoon Homebase" im U60311 residieren.

Wieder war er der Mann der ersten Stunde, als im Sommer '90 Techno über Deutschland hereinbrach. Im Verlauf der sprunghaften Entwicklung der DJ- und Veranstaltungskultur in den Jahren '90 und '91 trug er die Kunde der neuen Musik in die ganze Republik und gehörte zu den ganz wenigen DJs, die bereits verstärkt ins Ausland gebucht wurden. Zwischen Sommer '91 und Frühjahr '92 gründete er mit Matthias Hoffmann und dem Manager Heinz Roth in kurzer Folge zwei Labels, deren Sound zu Eckpfeilern seines zukünftigen DJ-Stils und des sprichwörtlichen "Sound of Frankfurt" wurden. Eye-Q begründete mit seinen ersten Veröffentlichungen den typischen Frankfurter Trance-Sound und Harthouse, das sich auf die Fahne geschrieben hatte, Nachwuchskünstler zu entdecken und aufzubauen, diente als Spielwiese für die härtere, minimalere Techno-Variante.

Ende '92 traf Sven Väth in Ralf Hildenbeutel den Mann, der ihm bis heute hinter den Reglern des Mischpultes nicht mehr von der Seite weichen sollte. Mit ihm produzierte er das erste Album ("An Accident In Paradise") unter seinem eigenen Namen, dessen Auskopplung "L' Esperanza" '93, eingefleischten Partygängern unvergessen, chartete. Im Zuge dieser Erfolge schlossen Eye-Q und Harthouse ihren ersten Major-Deal. Ende '94 erschien das zweite Album "The Harlequin - The Robot & The Ballet-Dancer", in dem Sven Väth neben Einflüssen aus Techno, Trance-, und House-Musik auch viele klassische Elemente verarbeitete. 1995 wurde für Sven Väth das Jahr des großen persönlichen Umbruchs. Bedingt durch die erste dauerhafte Beziehung zu einer Frau kam er nach langen Jahren des "Sex, Drugs & Techno" zur Ruhe, änderte sein Äußeres und begann mit den Vorbereitungen zu dem ebenso aufwendigen wie anspruchsvollen Veranstaltungkonzept "Cocoon".

Im darauffolgenden Jahr scheiterte eine erfolgreiche Umsetzung dieses Projektes an behördlichen Auflagen und dadurch verursachten massiven organisatorischen Problemen mit den jeweiligen Veranstaltungs-Locations. Sven Väth erlitt während dieser Phase als Veranstalter finanzielle Einbußen, die ihn dazu zwangen, das Projekt vorzeitig auf Eis zu legen. Als Produzent nahm er unterdessen die nächste Hürde. Zusammen mit Stevie B-Zet produzierte er die Musik zu dem Thriller "Der kalte Finger", der im Mai '96 bundesweit die deutschen Kinos enterte.

1997 kamen die umwälzenden Veränderungen im Leben des Sven Väth zu einem finalen Punkt. Zu Beginn des Jahres trennte er sich von seinen alten Geschäftspartnern und den beiden Labels Harthouse und Eye-Q, die wenig später nach einem überstürzten Umzug nach Berlin ihren Geschäftsbetrieb endgültig einstellen mußten. Sven Väth wurde geschäftlich autark, bezog in Frankfurt ein neues Office, und gründete eine eigene Booking-Agentur, die gegenwärtig bereits zu den einflußreichsten in Deutschland zählt.

Seiner DJ-Karriere taten all diese Vorkommnisse selbstredend keinen Abbruch. Hinter den Plattentellern ist Sven Väth erfolgreicher denn je und seine Bookings führen ihn um den gesamten Globus. Auch Produzenten halten viel seinem musikalischen Einfluss. So erhält er pro Woche 70-100 Platten. "8 Stunden pro Tag Platten hören, dass artet in Arbeit aus". Nach einer viermonatigen Studiophase mit Partner Ralf Hildenbeutel kam nun das dritte Sven Väth-Album mit dem Titel "Fusion" bei seinem neuen Label Virgin Records im März '98 zur Veröffentlichung .

Um die musikalische Entwicklung seit dem letzten Album nachzuvollziehen, muß man sich seine persönliche Entwicklung verdeutlichen. Auf "Fusion" verarbeitet Sven Väth nicht nur Ereignisse und Eindrücke der letzten beiden Jahre, sondern er versucht auch, den augenblicklichen gesellschaftlichen Zeitgeist einzufangen. "Die totale Fusion passiert nicht nur im Musikalischen, sondern auch in der Gesellschaft", sagt Väth, "Berührungsängste sind out!". "Ich wollte mal wieder richtiges DJ-Food produzieren", erklärte Väth. Sven Väth kann einfach nicht aus seiner Haut; die Stimmungen, die durch seine Stücke entstehen, sind alte Bekannte - und das ist gut so. Denn was ist wertvoller für einen Künstler, als wenn man ihn in allem, was er macht, wiedererkennt?


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