swsdie menschenfischer | kapital: mensch | ...  
aktuelles filme angebote über uns
  AKTUELLES FILME MULTIMEDIA ÜBER UNS
oval > filme > die uhr tickt total  
   
 
2/3
 
 
 
     
 

 

 

Liebe Armgard, lieber Max,

Es ist schon komisch einen Brief an Euch zu schreiben, mit dem Gefühl, daß ich jetzt gleichzeig auch arbeite. Wie ihr ja beide wißt (?) habe ich das letzte Jahr an der Filmakademie vor mir. In diesem Jahr werde ich meinen Diplomfilm machen.

Lange habe ich überlegt, was ich mit dieser Chance mich frei für einen Film entscheiden zu können, anfangen soll. Es ist ein persönliches Thema geworden: "Welche Rolle spielt Erotik/Liebe/Sexualität im Leben meiner Freunde?"

Ich dachte da an Euch beide: Wir waren lange Zeit zu Dritt befreundet und hatten alle keine "festen Beziehungen", was in unserem Umfeld eher ungewöhnlich war. Ich glaube, dass wir schon allein deswegen, die Chance hatten eine eigene Sicht auf diese Themen zu entwickeln. Diese Position ist unser Kapital.

In diesem Brief möchte ich Euch fragen, ob ihr Interesse habt mitzumachen. Ich möchte, dass Ihr wirklich für Euch eine Entscheidung trefft, da ich denke so etwas wie „naja Lili zuliebe“ wäre keine so gute Vorraussetzung. Ich würde mich natürlich freuen, wenn Ihr genauso Interesse wie ich hättet, dass ich eine Absage aber voll und ganz akzeptiere muss wohl nicht erst erwähnt werden, ich erwähne es hiermit aber trotzdem nochmal.
Um Euch diese Entscheidung möglich zu machen, werde ich versuchen, ehrlich über meine Vorstellungen/Ängste und Hoffnungen zu schreiben, die dieses Projekt betreffen. Es ist noch nicht sehr konkret, da es die Anfangsphase ist, das Thema ist klarer als die Form des Films.

Meine größte Angst vorweg: die Angst unsere Freundschaft zu gefährden, da unser Verhältnis durch die Arbeit an diesem Film sicher verändert wird. Ich bin bereit dieses Risiko einzugehen, da Freundschaft für mich kein Zustand sein kann. Eine Chance ist es, unsere Position genauer und deutlicher zu erkennen, uns selbst näher zu kommen. Dies setzt das Vertrauen voraus damit umgehen zu können. Immer wieder die Frage: "Möchte ich mich in einem Film mit Privatem beschäftigen?"

 

a

Ich glaube, dass mir die Arbeit an einem Film erleichtern kann, eigene Grenzen zu überschreiten. So ging es mir zum Beispiel in einer Dokumentarfilmübung aus dem ersten Studienjahr. Ich zeichnete ein Gespräch zwischen Anja Gehri und mir auf. Die Anwesenheit der Kamera erleichterte es mir, ihr Fragen zu stellen, die ich ihr vorher noch nie gestellt hatte.
Ich denke eine Vorrausetzung für den Film ist der Mut sich zu öffnen. Jeder mag sich überlegen, ob und was er/sie davon profitieren könnte.

Jetzt mal konkret: Facts, Zeitaufwand...:
Ich denke mal dass ich jedem von Euch so ca einen Monat mit der Kamera auf die Pelle rücken würde, wahrscheinlich ich und ein Kameramann/Kamerafrau. Ihr würdet eurer Leben „normal“ weiterleben und ich wäre mit der Kamera dabei. Natürliche verändert sich dieses „normale“ Leben durch die Präsenz der Kamera und die dadurch ausgelöste Reflektion. Bestimmte Situationen würden wir nur der Kamera zuliebe erzeugen.
Dann könnte ich mir vorstellen noch ein Zusammentreffen von Euch beiden zu arrangieren.....
Eine Idee wäre z.B. als Kontrast mit Euch so eine typische Liebesszene aus einem kommerziellen Film zu stellen, mit den typischen Klischee - Kameraeinstellungen. Ein bisschen Vorbildfunktion hat für mich der Film „Komm in den Garten“, 1990 entstanden, von Heinz Brinkmann und Jürgen Wisotzky. Er handelt von 3 Freunden in der ehemaligen DDR und besitzt folgende Form: „Dem Voyeurismus ausweichend, bieten die Autoren den Porträtierten Situationen an, in die hinein sie sich spielerisch erfinden können. Alfred, Dieter und Michael erzählen aus ihrem Leben, bekochen einander, weinen und spielen zuweilen mit im Film über sich selbst.“ Heinz Brinkmann: "Der Film versucht zu erklären, warum die drei befreundet sind.“

Ich freue mich auf Eure Antwort oder Fragen, hoffe einigermaßen verständlich gewesen zu sein, bis dann...

Lilian

<< >>